Leipzig, Sachsen, Stadt Leipzig

Dietzoldwerke, Leipzig

Fabrikcharme trifft künstlerisches Schaffen: Das Ensemble der Dietzoldwerke und der Druckfarbenfabrik im Nordwesten von Leipzig ist schon lange kein Geheimtipp mehr unter KünstlerInnen.

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Das Objekt

Auf einer weitläufigen Gesamtfläche von 13.000 qm liegen ehemalige Industriebrachen, welche die Investoren Birgit & Mathias Mahnke schrittweise als Atelierhäuser umgestalten. Die Dietzoldwerke mit einer Fläche von 3.700 qm befinden sich in der Franz-Flemming-Straße 9, nur wenige Meter von den Druckfarbenwerken (2.200 qm; Franz-Flemming-Straße 15) entfernt. Konzeptionell gehören beide Gebäude zusammen, sodass eine Vernetzung der Grundstücksflächen der Areale angestrebt wird. Dabei soll der Gartenbereich mit altem Baumbestand im Sinne des Urban Gardenings integriert werden. Unter Berücksichtigung des historischen Industriecharakters werden die Gebäude schrittweise wieder instand gesetzt. Bei ihrem Vorhaben werden die Mahnkes vom Verein Haushalten e.V. unterstützt.

Die Lage

Im Nordwesten Leipzigs im Stadtbezirk Alt-West befindet sich der Stadtteil Leutzsch. Dieser war vor allem durch seine Wohnviertel aus der Gründerzeit, den Jugendstil-Villen sowie die ehemaligen, stillgelegten Industrieanlage bekannt. Auch die Fabrikgebäude in der Franz-Flemming-Straße prägen das Erscheinungsbild des Stadtviertels. Das Areal mit industriellen Charme schließt an die Kulturachsen Georg-Schwarz-Straße sowie Merseburger Straße an und ist von der Innenstadt mit PKW, ÖPNV wie auch mit dem Fahrrad gut erreichbar.

Der Ort

Die Dietzoldwerke wurden 1905 nach den Plänen des Leipziger Architekten Emil Franz Hänsel für den damaligen Unternehmers J. Arthur Dietzold erbaut. Bis 1910 schloss ein Flachdach das vierstöckige Gebäude ab. Durch die Ergänzung eines Dachstuhls konnte das Industriegebäude dann um mehrere Räume erweitert werden. Ursprünglich diente das Haus als Metallwarenfabrik, in der vor allem Nägel, Schrauben und Stacheldraht hergestellt wurden. Ab 1912 fand anstelle der Metallindustrie eine große Pelzproduktion (Kürschnerei) in der Sozialfabrik ihren Platz. Später wurde diese von der Elektroschaltgeräte-Produktion abgelöst. Ab 1969 gehörten die Dietzoldwerke zum Mitteldeutschen Maiswerk, welche später die Außenstelle der VEB Maiswerke Zerbst wurden. Nach der Wende fiel das Gebäude brach und fand erst 2013 einen neuen Investor. Birgit & Mathias Mahnke nahmen in Kauf, dass drei Jahre zuvor der Dachstuhl dem Feuer erlag. Ihre Vision konnte dem heruntergekommen Gebäude neues Leben schenken und KünstlerInnen anlocken. Nur ein paar Meter von den Dietzoldwerken entfernt, befindet sich das ehemalige Verwaltungsgebäude der Druckfarbenwerke Springer & Möller, eine Fabrik für Farben und Lacke, deren Produktionsgebäude später als Theater-Fabrik Sachsen umgenutzt wurden. Das Verwaltungsgebäude ging ebenfalls in den Besitz von Birgit & Mathias Mahnke über.  Die Räumlichkeiten des Hauses sind durch eine große Offenheit und Helligkeit geprägt, die durch viel Glas und erhaltene historische Raumteiler erzeugt werden. Die Ateliers der Druckfarbenwerke verfügen über Flächen ab 13 qm und werden in Ateliergemeinschaften organisiert. Auch in dieses Gebäude sind in den letzten Jahren KünstlerInnen eingezogen.

Die Menschen  

Vor Ort planen die KünstlerInnen Ausstellungskonzepte und organisieren gemeinschaftlich Rundgänge. Derzeit sind 30 KünstlerInnen in den Dietzoldwerken in der Franz-Flemming-Straße 9 eingemietet. Durch das Artist-in-Residence-Programm “Pilotenküche” werden die Räumlichkeiten temporär auch von weiteren internationalen KünstlerInnen genutzt. Neben den Ateliers sind zwei Galerieräume in Nutzung, die durch Gemeinschaftsräume (Café und Co-Working-Spaces) ergänzt werden. In den Druckfarbenwerke finden derzeit 45 KünstlerInnen Raum für ihre Arbeiten. Hier entstand in der Vergangenheit eine gemeinschaftliche Druckwerkstatt.

Leben und Arbeiten vor Ort

2013 zogen die ersten KünstlerInnen in die Dietzoldwerke ein. Seither folgen weitere KünstlerInnen den Ruf nach Freiraum und Synergie. Sie verleihen dem Gebäude ein neues Innenleben. Dabei sind die Räumlichkeiten weniger für Zwischennutzungen gedacht, vielmehr schließen die InvestorInnen mit den KünstlerInnen langfristige Mietverträge. Ergänzend zur Vermietung an unterschiedliche KünstlerInnen beherbergen die Dietzoldwerke seit 2017 auch die Pilotenküche, ein internationales Artist-in-Residence-Programm in Leipzig.

Zukunft vor Ort

Zukünftig sollen KünstlerInnenateliers in den Fabrikgebäuden um mediale und gastronomische Angebote erweitert werden: Eine Filmfirma wird demnächst mit in die Franz-Flemming-Straße 9 einziehen. Auch die Kulinarik und das gemeinschaftliche Arbeiten ist den InitiatorInnen von großer Bedeutung: Derzeit werden Konzepte für ein Café und Co-Working-Spaces erarbeitet. Der Außenbereich wird als zukünftiger Aufenthaltsort weiter ausgebaut und ergänzt damit das Fabrikloft (90 qm), das an BesucherInnen von Nah und Fern vermietet wird.

Besonderheit

Neben der Baumwollspinnerei in Plagwitz gehören die Dietzoldwerke zu einem etablierten Kunstproduktionsstandort im Leipziger Westen. Die Nähe zur Innenstadt und die Authentizität der Gebäude ist nicht nur für die MieterInnen interessant, sondern zieht auch viele FotografInnen und FilmemacherInnen an, welche die industriellen Gebäude als Kulisse für ihre Inszenierungen nutzen.

Herausforderungen

Im Rückblick betont Mahnke, dass die InitiatorInnen zwar einen langen Atem benötigten, am Ende jedoch stets von den Behörden gut begleitet wurden, ihre Visionen umsetzen zu können.  

Fakten

Status:in Sanierung
Zeitplan:weitere Ausbaustufen bis 2025
Planungsbeginn:2012
Einzug erste Bewohner:2013
Engagement:Birgit & Mathias Mahnke
Grundstücksgröße:ca. 13.000 qm (davon 3.700 qm Dietzoldwerke und 6.000 qm Druckfarbenwerke)
Gebäudetypen:Fabrik für Metallwaren, Verwaltungsgebäude Druckfarbenwerke
Inhaberin:Privateigentum
Infrastruktur:gute Anbindung an die Leipziger Innenstadt (6 km Entfernung)